Apitherapie – Heilung aus dem Bienenstock (Teil 1)

Bienenprodukte wie Honig, Propolis oder Bienenwachs sind bereits seit Jahrtausenden beliebt und werden auf unterschiedlichste Weise genutzt. Propolis z. B. wurde schon in der Antike zur Wundversorgung eingesetzt. Und die Verwendung von Honig war sehr lange die einzige Möglichkeit, Speisen zu süßen.

Apitherapie - Sinnvolle Ergänzung zur klassischen Medizin

Der Begriff Apitherapie (apis (lat.) = die (Honig)biene) beschreibt die Verwendung von Bienenprodukten zu medizinischen Zwecken. Früher wurde die Apitherapie hauptsächlich von einer kleinen Gruppe von Bienenhaltern genutzt. Heute aber rücken ihre Möglichkeiten immer mehr in den Fokus des Interesses der Anhänger alternativer Heilmethoden.

Wir möchten hier einen Überblick der unterschiedlichen Anwendungen geben und auch die Grenzen der Apitherapie kritisch betrachten.

In diesem Teil alles zum Thema:

  • Honig
  • Propolis
  • Gelée Royal
  • Bienenwachs
  • Blütenpollen

 

Honig - das Allroundgenie

Honig ist in klassischer Bestandteil der Apitherapie
Honig - das Allroundgenie

Das mit Abstand bekannteste und am weitesten verbreitete Produkt aus dem Bienenstock ist Honig. Der süße Saft ist nicht nur ein beliebtes Nahrungsmittel, sondern auch ein unverzichtbares Hausmittel zur Bekämpfung verschiedenster Erkrankungen.

Die im Honig enthaltenen antientzündlichen und antiseptischen Inhaltsstoffe werden innerlich vor allem genutzt, um Magenbeschwerden (z. B. durch Sodbrennen oder Geschwüre) zu lindern. Dabei wird der Honig pur oder zusammen mit einer Flüssigkeit eingenommen.

Aber Achtung: Immer nur handwarme Getränke verwenden! Ansonsten werden die wertvollen Inhaltsstoffe zerstört.

Äußerlich findet Honig vor allem bei der Wundheilung auf der Haut oder im Mundbereich seine Anwendung. Honig wirkt hier schützend und kann die Abheilung des Gewebes unterstützen. Zusätzlich spendet Honig Feuchtigkeit. Das ist einer der Gründe für seine Verwendung in kosmetischen Pflegeprodukten.

Ein besonders ausgeprägtes therapeutisches Potenzial besitzt der neuseeländischen Manuka Honig. Die extrem hohen Konzentrationen des darin enthaltenen Methylglyoxals (MGO) machen ihn so wertvoll und einzigartig. MGO besitzt besondere antientzündliche und antiseptische Eigenschaften, die sogar wissenschaftlich belegt sind.



Propolis - natürliches Antibiotikum

Propolis, das natürliche Antibiotikum in der Apitherapie
Propolis - natürliches Antibiotikum

Die Propolis ist ein von den Bienen produziertes und sehr kompliziert aufgebautes Stoffgemisch. Es enthält

  • Blütenpollen
  • Baumharze
  • ätherische Öle von verschiedenen Blütenknospen
  • Wachse und
  • Speichelsekrete.

Die äußerst klebrige Masse wird von den Immen genutzt, um Öffnungen im Bienenstock zu stopfen oder die Brutwaben auszukleiden. So können die vielen Inhaltsstoffe in der Propolis dafür sorgen, dass Bakterien, Pilze und auch Viren am Wachstum gehindert oder abgetötet werden.

In der Apitherapie wird Propolis meistens als alkoholischer Extrakt verwendet . Die Einnahme erfolgt z. B. in Kapseln, Bonbons, Mundsprays, Mundspülungen oder Tropfen. Dabei kann es allerdings gelegentlich zu allergischen Reaktionen kommen. Zur Pflege geschädigter oder gereizter Haut wird Propolis hauptsächlich in Form von Cremes, Balms oder Tropfen eingesetzt.

Das Anwendungsgebiet umfasst

  • den Schutz von Haut, Zahnfleisch und (Mund-)Schleimhaut
  • die Unterstützung des Immunsystems durch die Aktivierung bestimmter Immunzellen
  • die Bindung und Neutralisation von Schadstoffen, vor allem Schwermetalle
  • die Unterstützung und Beschleunigung der Wundheilung
  • schmerzlindernde Eigenschaften durch die Hemmung bestimmter Botenstoffe

Besonders effektiv ist Propolis in Kombination mit Honig.

 

Gelée Royal - der königliche Futtersaft

Gelée Royal - nicht unumstritten in der Apitherapie
Bienenkönigin - ein lebenlang Gelée Royal

Jede Bienen- und Drohnenlarve erhält in Ihren ersten Lebenstagen Gelée Royal. Ab dann leben alle Individuen im Bienenstock von Honig und Blütenpollen. Es gibt nur eine Ausnahme - die Königin! Diese wird Zeit ihres Lebens mit Gelée Royal gefüttert.

Alle Larven im Stock besitzen das identische Erbgut. Nur die lebenslange Fütterung mit Gelée Royal sorgt dafür, dass aus einer normalen Bienenlarve eine Königin wird. Für die Entwicklung einer Königin ist außerdem eine besondere Brutzelle (Weiselzelle) notwendig. Die Gründe, wann und ob eine solche Zelle von den Arbeiterinnen gebaut wird, sind allerdings noch weitgehend unbekannt.

Gelée Royal wird ausschließlich von Jungbienen hergestellt und hat einen leicht säuerlichen Geschmack. Es ist reich an Proteinen, Kohlenhydraten, Enzymen, Vitaminen, Hormonen und weiteren Inhaltsstoffen. Seine herausragende Eigenschaft ist die Förderung von Zellwachstum.

Gelée Royal besitzt viele ähnliche Eigenschaften, wie Honig und Propolis. Zusätzlich hat dieser Nährstoff einen positiven Effekt auf den Stoffwechsel, auf das Immunsystem und sekretorische Drüsen. Außerdem findet er sogar Anwendung in bestimmten Tumortherapien.

Gewinnung von Gelée Royal: Dem Bienenvolk wird während der Schwarmzeit (Mai/Juni) zunächst die eigene Königin entnommen. Anschließend werden viele neue Königinnenzellen mit je einer Königinnenlarve in den Stock eingehängt. Während der Schwarmzeit exitiert bei den Bienen ein besonderer Vermehrungstriebs. Deshalb werden auch mehrere Königinnen gleichzeitig aufgezogen und von den Arbeiterinnen mit Gelee Royal versorgt. Die Larven "baden" dabei in diesem Saft. Nach drei Tagen werden die Königinnenzellen wieder vom Imker entnommen. Anschließend werden die Larven entfernt, der Saft aufgesogen und in ein Sammelgefäß gegeben.

Dieses Verfahren bedeutet einen extremen Stress für das Bienenvolk. Außerdem werden zahlreiche Königinnenmaden dabei vernichtet. Apitherapie mit Gelée Royal ist aus diesem Grund sehr umstritten und wird von naturnah arbeitenden Imkern abgelehnt.

 

Bienenwachs – nicht nur als Kerze

Bienenwachs - Grundbaustein vieler kosmetischer und medizinischer Produkte
Bienenwachs

Bienenwachs ist der Baustoff der Brut- und Honigwaben im Innern eines Bienenstocks.

Das Wachs besteht zu ca. 65 % aus einem Estergemisch langkettiger Alkohole und Säuren (Myricin). Der Wachs wird von den Bienen in Form kleiner Plättchen über spezielle Wachsdrüsen ausgeschwitzt.

Als Kerzenbaustoff wurde Bienenwachs mittlerweile weitgehend von billigeren, synthetischen Wachsen abgelöst.

In der Medizin oder Physiotherapie wird Bienenwachs als Wärmepackung, z. B. bei Verspannungen (ähnlich wie Fango) oder Gelenkschmerzen eingesetzt. Außerdem dient Wienenwachs als natürlicher Trägerstoff für Wirkstoffe in Cremes, Salben, Pasten, Lippenstiften, Pflastern oder Zäpfchen verwendet.

 

Blütenpollen – die Eiweißbomben

Blütenpollen - das Eiweißkraftpaket in der Apitherapie
Blütenpollen

Neben dem Blütennektar wird vor allem auch Blütenpollen von den Bienen gesammelt und in Form sogenannter Pollenhöschen in den Bienenstock getragen. Dort wird er ähnlich wie der Nektar in speziellen Waben gesammelt und dient als eiweißreicher Nährstoff zur Aufzucht der Brut.

Der Imker sammelt diesen Pollen in sogenannten Pollenfallen. Das sind spezielle Verengungen am Flugloch, durch die sich die Bienen quetschen müssen, bevor sie ins Stockinnere gelangen. Dabei streifen sie einen Teil der Pollenhöschen ab, die dabei in einen Auffangbehälter fallen und dort entnommen werden können.

Inhaltsstoffe: Ca. 50 % freie Aminosäuren, ca. 40 % hochwertige Proteine, ca. 10 % Mineralstoffe, Vitamine (bis zu 18 Stück) und weitere organische Substanzen.

Blütenpollen gilt als Superfood und soll für ein verbessertes Blutbild, den Abbau von Cholesterin und die Reduktion freier Radikale sorgen. Daher wird er von vielen Anhängern und vor allem Sportlern regelmäßig als Topping auf Müslis oder Joghurt, in Smoothies oder auch pur eingenommen.

 


Fotos: s-katyjay/123RF.com; Cseh-Ioan/123RF.com; daviden/123RF.com; Zichrini/123RF.com

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